Unser Team hatte kürzlich die Gelegenheit, die beiden 1:8-Bausätze des legendären Porsche 917 von IXO und Pocher im parallelen Doppelbau auf die Werkbank zu holen. Im direkten Vergleich zeigte sich schnell, wie grundverschieden zwei Großmodelle desselben historischen Boliden in puncto Konstruktion, Detaillierung und Fügetechnik konzipiert sein können..

Die Verpackung

Pocher Porsche 917 Verpackung
Pocher Porsche 917 Verpackung
IXO Porsche 917 Verpackung
IXO Porsche 917

Beide Metallkarosserien sind bestens geschützt – Pocher bettet sie in passgenaues Styropor, IXO setzt auf stabile Blister. Bei der Bauanleitung und Teilesortierung trennen sich jedoch die Welten: IXO überzeugt mit einem dicken, farbig bebilderten Buch und logisch nach Bauphasen nummerierten Tüten. Pocher bleibt seiner Historie treu: Eine knappe, rein schwarz-weiße Explosionszeichnung und klassische Gießäste erfordern viel Sucharbeit – Modellbau alter Schule.

 

Das Triebwerk: 180°-V12 im Rohbau

Motor IXO Porsche 917
Motor IXO Porsche 917
IXO Motor Porsche 917
IXO Motor Porsche 917

Hier ist der Motor des IXO 917 noch im Rohbau. Sehr schön zu erkennen sind die separat ausgeführten Zylinder und das gemeinsame Kurbelgehäuse des 12-Zylinders.

Das Aggregat ist übrigens kein Boxermotor, auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht und man Porsche traditionsgemäß mit dem Boxerprinzip verbindet: Es handelt sich um einen 180-Grad-V-Motor (Typ 912). Der konstruktive Unterschied liegt im Kurbeltrieb, da sich jeweils zwei gegenüberliegende Pleuel einen gemeinsamen Hubzapfen teilen.

Mittig sitzt das horizontal gelagerte Kühlgebläse, das die Zylinderbänke mit lebensnotwendiger Frischluft versorgt. Ein interessantes Detail aus der Historie: Im harten Renneinsatz neigte das unter Volllast rotierende Lüfterrad dazu, bei Schwingungen das GFK-Ansauggehäuse zu beschädigen und einzelne Schaufelflügel einzubüßen. (Auf den Fotos noch nicht montiert).

Wie bereits angekündigt, bleibt Pocher hier konstruktiv spürbar zurück: Bei IXO werden die Motorkomponenten mechanisch sauber verschraubt – bei Pocher freut sich überwiegend die Tube Sekundenkleber.

Motormontage im Vergleich

Pocher Porsche 917 Motor
IXO Porsche 917 Motor
Pocher Porsche 917 Motor
Pocher Porsche 917 Motor
IXO Motor Porsche 917
IXO Motor Porsche 917
Pocher Motor Porsche 917

Beide Aggregate sind nun teilmontiert für den Einbau in das Chassis vorbereitet. Die Zündkabel habe ich bei beiden Motoren modifiziert und dem Original vorbildgerecht angepasst. Beim IXO ist das Kühlgebläse bereits montiert; der Pocher bringt dafür schon die Kühlschächte für das Getriebe mit (diese mussten allerdings aufwendig nachgearbeitet und lackiert werden). An prominenter Stelle thront bei beiden die Bosch-Stempelpumpe der mechanischen Einspritzung.

Bis zu diesem Bauschritt wirken beide Ausführungen optisch recht ähnlich, unterscheiden sich aber grundlegend in der Verbindungstechnik (Schrauben vs. Kleben). Bei IXO passten alle Teile saugend und perfekt – bei Pocher traten bereits diverse Passungenauigkeiten auf.

Der Gitterrohrrahmen: Vorbildtreue vs. Konstruktionskompromiss

IXO Porsche 917 Gitterrohrrahmen
IXO Porsche 917 Gitterrohrrahmen
Pocher Porsche 917 Gitterrohrrahmen
Pocher Porsche 917 Gitterrohrrahmen
Pocher Porsche 917 Gitterrohrrahmen
Pocher Porsche 917 Gitterrohrrahmen

Und es geht direkt weiter mit dem Chassis:

IXO: Der IXO-Porsche ist absolut vorbildgetreu auf einem vollwertigen, durchgehenden Gitterrohrrahmen aufgebaut. Die verwindungssteife Struktur wird aus zahlreichen Einzelkomponenten präzise zusammengesetzt und verschraubt. Rechts in Fahrtrichtung sitzt der Benzintank, links der Öltank für die Trockensumpfschmierung des Motors.

Pocher: Der Pocher-Porsche verfügt hingegen lediglich über einen halben Gitterrohrrahmen zur Aufnahme des Motors im Heck. Der Vorderwagen basiert auf einer massiven Metallschale (Unterschale), in die vordere Rahmenteile lediglich als Zierde ohne tragende Funktion eingeklebt werden. Beide Segmente werden später zusammengefügt.

Aus modellbauerischer Sicht ist diese Konstruktion von Pocher stark vereinfacht und historisch nicht korrekt. Allerdings relativiert sich dieser Kompromiss im weiteren Bauverlauf: Am fertigen Modell mit aufgesetzter Karosserie ist von diesem Kunstgriff kaum noch etwas zu sehen.

Hochzeit: Motoren im Chassis

IXO Porsche 917 Chassis
IXO Porsche 917 Chassis
Pocher Porsche 917 Chassis
Pocher Porsche 917 Chassis

Die Motoren haben mittlerweile in ihren Rahmen Platz genommen, und das grundlegend unterschiedliche Konzept beider Hersteller wird erneut deutlich. IXO spendiert dem Modell zudem Funktions-Features wie eine Beleuchtung; die entsprechenden Zuleitungen werden im weiteren Verlauf noch unsichtbar im Rahmen verlegt.

Ein Blick auf die Vorderachse des IXO-Porsche mit der hydraulischen Bremsanlage: Die filigrane Rahmenkonstruktion ist ebenso leicht wie stabil – von den Renningenieuren damals treffend als „rasender Hühnerstall“ bezeichnet.

Beim Pocher ist die Vorderachse direkt an der tragenden Unterschale montiert, was nicht der Vorbildgeometrie entspricht. Die markanten Schläuche dienen der Bremsenkühlung (unten) sowie der Frischluftzufuhr für das Cockpit (oben).

Technik pur & ein Blick in die Historie

Welch eine geballte Ladung Motorsport-Technik!

Hier stellt sich unweigerlich die Frage, wer an Bord das Sagen hatte: In moderaten Geschwindigkeitsbereichen eindeutig der Pilot. Das änderte sich jedoch drastisch, sobald der 917 an seine Grenzen getrieben wurde. Dann übernahm das Auto unvermittelt das Kommando, schwänzelte unberechenbar mit dem Heck und verabschiedete sich nicht selten per Salto von der Piste – nicht umsonst galt der frühe 917 unter den Fahrern als gefürchteter „Witwenmacher“.

Erst als die Aerodynamiker dem Boliden das modifizierte Kurzheck („KH“) verpassten und ihm damit Manieren beibrachten, wendete sich das Blatt: Ab 1970 fuhr der 917 die internationale Konkurrenz in Grund und Boden – so dominant, dass die FIA das Reglement für 1972 drastisch änderte, um den 5-Liter-Boliden von der Bildfläche zu verbannen.

Cockpit und Baugruppen vor der Endmontage

IXO Porsche 917 Cockpit
IXO Porsche 917 Cockpit
Pocher Porsche 917 Cockpit
Pocher Porsche 917 Cockpit

Die Technik ist bei beiden Modellen nun nahezu komplett montiert. Beide Versionen haben sich optisch angeglichen, zeigen aber im Detail spannende Nuancen. Mal hat IXO bei einzelnen Komponenten die Nase vorn, mal punktet Pocher. Das Niveau der Detaillierung ist bei beiden beachtlich, doch die größte Hürde steht noch bevor: das saubere Einpassen und Montieren der großflächigen Karosserieteile.

Detailvergleiche an den Aggregaten

IXO Porsche 917 Details
IXO Porsche 917 Details
Pocher Porsche 917 Details
Pocher 917 Haube

Linke Fahrzeugseite (Ölversorgung): Zu sehen ist der Öltank der Trockensumpfschmierung, hier mit orangefarbenen Schläuchen (entsprechend der Bauanleitung). Die Kraftstoffleitungen an der Einspritzpumpe sind vorbildgerecht transparent ausgeführt.

Rechte Fahrzeugseite (Kraftstoffsystem): Hier sitzen der Haupttank und die Benzinpumpen. Der IXO bringt zusätzlich eine zweite Bordbatterie mit.

Verarbeitungs-Patzer bei Pocher: An der Heckklappe ist der Farbauftrag am Motorausschnitt unsauber verwischt. Am fertigen Modell fällt dies zwar nicht sofort ins Auge, ärgerlich ist es bei diesem Preisniveau dennoch – zumal ein Nachbessern ohne Beschädigung des Lacks kaum möglich ist.

Letzte Handgriffe am Fahrgestell

IXO Porsche 917 Chassis
IXO Porsche 917 Chassis
Pocher Porsche 917 Chassis
Pocher Porsche 917 Chassis

Die letzten Komponenten am Chassis sind montiert. Das damalige Reglement schrieb kuriose Details vor: einen Beifahrersitz (auf dem man unmöglich sitzen konnte), ein Reserverad (das kaum einsatzfähig war) und formell sogar eine Hupe (wobei man den Hupenknopf im Cockpit vergeblich sucht).

Nach Aufsetzen der Hauben wird ein Großteil der filigranen Technik zwar verdeckt, aber glücklicherweise bleibt das Meiste durch Öffnungen und Gitter einsehbar. Die abweichende Rahmenkonstruktion ist nach der Montage nicht mehr erkennbar – abgesehen von der Anlenkung der vorderen Dreieckslenker. IXO hat den Rohrrahmen meisterhaft umgesetzt, während Pocher hier schlicht den einfachen Weg gewählt hat.

Die Karosserieteile werden separat poliert, decalt und komplettiert. Nach dem Aufsetzen der Karosserien ist die Doppelmontage abgeschlossen: Beide 917 rollen exakt zeitgleich aus der Modellbau-Werkstatt.

Unser Testurteil & Fazit

Der Sieger im direkten Vergleich:

🏆 IXO Collections Porsche 917 KH

Das Gesamtergebnis

Um es vorwegzunehmen: Es sind am Ende zwei fantastische, imposante 1:8-Modelle geworden!

  • Karosserie, Hauben und Spaltmaße:

    Entscheidend für den Gesamteindruck ist die Passgenauigkeit der Hauben und Türen. Hier sind beide Bausätze erfreulich gleichauf: Die Zinkdruckguss-Karosserien schließen sauber ohne grobe Spaltmaß-Ausreißer – was bei Metallkarosserien dieser Größe keineswegs selbstverständlich ist. Bei den Werkslackierungen darf man serienbedingt keine High-End-Handpolitur erwarten. IXO überzeugt bei den aufgedruckten Dekoren mit messerscharfen Kanten, während bei Pocher einige Farbübergänge unpräzise sind und die Heckklappe leider einen Lackfehler aufwies.

  • Technik, Konstruktion und Bauanleitung:

    Im technischen Bereich dominiert IXO das Duell klar. Das solide Verschrauben vermittelt echtes Mechanik-Gefühl und die Konstruktion folgt akribisch dem Zuffenhausener Original. Pocher setzt überwiegend auf Klebeverbindungen, was insbesondere dann frustriert, wenn anhand der spärlichen Dokumentation korrigiert werden muss.

    • Bauanleitung IXO: Ein gebundenes, detailliert bebildertes Handbuch mit klarem Text, perfekt abgestimmt auf logisch nummerierte Baugruppen-Tüten.

    • Bauanleitung Pocher: Ein dünnes Heft mit kommentarlosen, teils fehlerhaften Explosionszeichnungen. Dazu ein unübersichtliches Durcheinander an Gussästen und Tüten mit kryptischer Kennzeichnung – ganz nach alter Pocher-Tradition.

    • Positiv bei beiden: Es gab keine Fehlteile; alle Komponenten waren vollzählig vorhanden.

Preis-Leistungs-Bewertung

Betrachtet man die UVP-Differenz von rund 100 € (Pocher ca. 800 € vs. IXO ca. 900 €), ist entweder der Pocher im Markt zu hoch angesetzt oder der IXO bemerkenswert günstig kalkuliert.

Gemessen an Konstruktionsaufwand, Materialeinsatz und Vorbildtreue sehe ich den Pocher realistisch eher im Bereich von 650 bis 700 €, während der IXO mit 950 € absolut fair bewertet wäre. Als Referenz im High-End-Segment dient hier der LeGrand Mercedes 300 SLR: Dessen Fertigungs- und Detaillierungsstandard liegt nochmals eine Stufe über dem IXO und rechtfertigt seinen Preis von rund 1.200 € vollkommen.

Überblick

CaratteristicaIXO Collections (1:8)Pocher HK118 / HK119 (1:8)
Teileanzahl & GewichtÜber 839 Teile (158x Metall), ca. 6,0 kgCa. 312 Teile, deutlich leichter / mehr ABS-Kunststoff
VerbindungstechnikÜberwiegend SchraubverbindungenÜberwiegend Klebeverbindungen (Sekundenkleber/Plastikkleber)
Motor-DetaillierungEinzelne Zylinder, filigranes Gebläse, detailliertes ZündgeschirrZusammengefasste Kunststoffblöcke, vereinfachte Detaillierung
GitterrohrrahmenMehrteilig, massiv verschraubtNur in Teilen vorhanden
Karosserie & FensterHochglanzlackierte Die-Cast-HaubenGute Passform, gelb getönte Seitenscheiben (vorbildgetreu)
ElektronikScheinwerfer & Motorsound integriertVerzicht auf Elektronik (kein sichtbarer Kabelsalat)
BauaufwandHoher Zeitaufwand, feinmechanisches SchrauberlebnisSchnellerer Aufbau, hervorragende Basis zum „Supern“